Dazwischen
- Stephanie Martucci
- vor 3 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Über Übergänge, Veränderung und die Kunst, mitzugehen
Es beginnt oft ganz unmerklich.
Die Luft fühlt sich morgens anders an.
Vielleicht ein wenig kühler und klarer als noch vor einigen Wochen. Zwischen den warmen Tagen liegt plötzlich dieser erste Geruch von feuchter Erde in der Luft, das Licht verändert sich und die Schatten werden länger.
Der Sommer ist noch da, und doch merken wir langsam, dass sich etwas verändert.
Für mich sind diese Übergänge immer besonders spürbar.
Wenn sich etwas verändert
Ich bin ein Sommermensch. Ich liebe die Wärme, die langen hellen Abende und dieses Gefühl, dass das Leben im Sommer ein Stück weiter nach draußen rückt.
Gerade der Übergang vom Sommer in den Herbst fällt mir deshalb nicht immer leicht. Ein Teil von mir möchte die warmen Tage noch festhalten, noch einmal lange draußen sitzen und so tun, als könnte der Sommer einfach noch ein bisschen bleiben.
Aber die Natur fragt uns nicht, ob wir bereit sind. Sie verändert sich trotzdem.
Und vielleicht ist genau das etwas, das Übergangszeiten so besonders macht.
Wir sind nicht mehr ganz dort, wo wir waren, aber auch noch nicht vollständig in dem angekommen, was kommt.
Der Sommer ist noch spürbar, während der Herbst langsam seinen Platz einnimmt.
Wir befinden uns dazwischen.
Vom Yang zum Yin
In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird auch dieser Wandel der Jahreszeiten als Veränderung der Energie betrachtet.
Der Sommer ist geprägt von Yang: Wärme, Bewegung, Aktivität und einer Energie, die sich nach außen richtet. Mit dem Herbst beginnt sich diese Bewegung langsam zu verändern. Die Energie zieht sich nach und nach wieder stärker nach innen zurück, Yin bekommt mehr Raum und mit dem Herbst beginnt die Zeit des Metall-Elements.
Das Metall-Element wird unter anderem mit Klarheit, Struktur und dem Loslassen verbunden. Die Natur macht es uns zu dieser Jahreszeit auf eine ganz selbstverständliche Weise vor. Die Bäume halten nicht an jedem Blatt fest.
Sie lassen los, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Nicht, weil etwas falsch läuft, sondern weil Loslassen Teil eines natürlichen Kreislaufs ist. Vielleicht ist es genau das, was mir persönlich an dieser Jahreszeit so schwerfällt und gleichzeitig so viel über sie lernen lässt: Veränderung geschieht, auch wenn wir noch nicht ganz bereit dafür sind.
Aber wir müssen nicht warten, bis der Wandel vollständig da ist.
Wir können beginnen, uns langsam mitzuverändern.
Denn wir beobachten die Natur nicht nur von außen oder sind ein Teil davon.
Wir sind Natur. Unser Körper reagiert auf Licht, Temperaturen, Jahreszeiten und Rhythmen. Vielleicht spüren wir diese Veränderungen unterschiedlich stark, aber sie gehen auch an uns nicht spurlos vorbei.
Den Körper auf den Wandel vorbereiten
Deshalb finde ich den Gedanken schön, unseren Körper bewusst auf die kommende Jahreszeit vorzubereiten, anstatt erst dann zu reagieren, wenn wir bereits merken, dass uns die Veränderung zu viel geworden ist.
Auch über die Ernährung können wir langsam mit der Jahreszeit mitgehen.
Jetzt beginnt sich das Angebot der Saison zu verändern. Äpfel, Birnen und Zwetschgen begleiten den Spätsommer, während Kürbis, Karotten, Rote Bete, Kohl und andere Wurzelgemüse nach und nach wieder mehr Raum bekommen. Vielleicht müssen wir deshalb nicht sofort unsere gesamte Ernährung verändern, können aber beginnen, saisonale Lebensmittel bewusster wahrzunehmen und wieder häufiger einzubauen.
Genauso können wir darauf achten, wie wir diese Lebensmittel zubereiten.
Vielleicht tut uns Rohkost weiterhin gut, vielleicht merken wir aber auch langsam, dass gegarte oder wärmere Mahlzeiten angenehmer werden. Der Übergang muss nicht plötzlich passieren. Es geht vielmehr darum, wieder auf den eigenen Körper zu hören und wahrzunehmen, was sich verändert.
Auch unsere Bewegung und unser Bedürfnis nach Ruhe dürfen sich mit der Jahreszeit verändern. Nach einem aktiven Sommer kann es guttun, der Regeneration wieder etwas mehr Raum zu geben. Vielleicht bedeutet das, einen Spaziergang bewusster zu genießen, sich wieder mehr Zeit für Ruhe zu nehmen oder Yin Yoga in die eigene Praxis einzubauen. Während draußen langsam alles ruhiger wird, dürfen auch wir uns fragen, wo wir vielleicht nicht ständig weitermachen müssen.
Gerade das Yin Yoga empfinde ich in dieser Zeit als eine schöne Möglichkeit, den Übergang bewusst wahrzunehmen. Nicht immer aktiv sein zu müssen, sondern dem Körper Zeit zu geben. Zu bleiben, zu spüren und nicht sofort weiterzugehen.
Vielleicht gehört zur Vorbereitung auf eine neue Jahreszeit aber auch, wieder mehr Verbindung zur Erde zu suchen. Nach draußen zu gehen, die Veränderungen wahrzunehmen und den Boden unter den Füßen zu spüren. Nicht, um irgendeine Methode perfekt umzusetzen, sondern um uns daran zu erinnern, dass wir Teil dieses natürlichen Rhythmus sind.
Was darf bleiben, was darf gehen?
Und vielleicht können wir auch innerlich ein wenig Ordnung schaffen.
Der Herbst wird in der TCM mit dem Thema Loslassen verbunden. Das kann eine schöne Einladung sein, sich zu fragen: Was möchte ich aus dem Sommer mitnehmen? Was hat mir gutgetan? Und was darf vielleicht langsam weniger werden?
Ein paar Gedanken aufzuschreiben, kann dabei helfen. Nicht, um sofort einen perfekten Plan für die kommenden Monate zu entwickeln, sondern einfach, um wahrzunehmen, wo wir gerade stehen.
Vielleicht ist das Dazwischen genau dafür da.
Nicht, um möglichst schnell überwunden zu werden, sondern um uns Zeit zu geben.
Zeit, den vergangenen Abschnitt noch einmal wahrzunehmen und gleichzeitig langsam Platz für das zu machen, was kommt.
Vielleicht müssen wir nicht sofort bereit sein für den Herbst.
Vielleicht dürfen wir noch ein wenig Sommer in uns tragen und trotzdem langsam beginnen, uns mit der Veränderung zu bewegen.
Und vielleicht ist genau das die Kunst des Übergangs: nicht festzuhalten, bis etwas endgültig vorbei ist, und auch nicht zu früh weiterzugehen.
Sondern für einen Moment dort zu bleiben, wo wir gerade sind.
Dazwischen.
Eine Frage, die dich begleiten darf …
Was hat dir der Sommer geschenkt, das du gerne mit in die kommende Zeit nehmen möchtest?
Wo spürst du gerade, dass dein Körper oder dein Inneres nach Veränderung verlangt?
Wie kannst du dir selbst den Übergang in die neue Jahreszeit ein wenig leichter machen?
Vielleicht nimmst du dir in den kommenden Tagen einen Moment Zeit, um diesen Übergang bewusst wahrzunehmen. Nicht, um sofort etwas verändern zu müssen, sondern einfach, um zu spüren, was gerade da ist
Wenn dich solche Gedanken und Themen begleiten, freue ich mich, wenn du meinen Soul Letter abonnierst. Einmal im Monat teile ich dort persönliche Gedanken, neue Blogbeiträge und Impulse rund um Achtsamkeit, Gesundheit und ein bewusstes Leben – ruhig, persönlich und ohne Werbeflut.
Und weil Ernährung für mich ebenfalls ein wichtiger Teil eines ganzheitlichen Lebens ist, wird es auf Soulchange bald auch eine eigene Rezeptseite geben.
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